Geschichte

Die Geschichte von Stettfurt

Nach der Eiszeit

Der Reiz von Stettfurt liegt wohl unbestritten in seiner Lage: Angelehnt an den Immenberg, nach Süden ausgerichtet, eingebettet ins Lauchetal, welches den Blick frei gibt bis zum Alpstein und Glärnisch. Eigentlich fehlt nur noch der See. Wenig deutet darauf hin, dass sich tatsächlich einmal ein solcher ab dem Unterdorf bis nach Affeltrangen erstreckte. Die Lauche durchbrach dann später den Engpass bei der Wängistrasse, die restliche Wasserfläche verlandete. Das liegt aber schon sehr weit zurück. Der flache Teil des Lauchetals war deshalb bis in die Neuzeit, in der etappenweise drainiert wurde, landwirtschaftlich nicht nutzbar.Die Landschaft ist das Resultat diverser Eiszeiten mit Gletschern, welche das Tal formten und schliffen.

Bewohnbar wurde unsere Gegend vor etwa 4 – 6000 Jahre nach der letzten Eiszeit, welche vor 8 – 10’000 Jahren endete. Es waren die Kelten, welche als Nomaden das Land durchzogen. Sie hinterliessen uns ein paar Wörter im Sprachschatz, namentlich Flussnamen; Thur, Murg, Lauche (leuka = die Weisse).

Die Besiedlung

Die ersten Siedlungen gehen auf die Alemannen zurück, welche die Römer im 4 Jh. zurückdrängten und das Land in Besitz nahmen. Ab dem 7. Jh. drangen die Franken von Westen her ein, führten das Christentum ein und errichteten ein Reich über weite Teile von Europa. Sie prägten bereits im 8. Jh. als erste den Begriff „Thurgau“. Gau war eine Verwaltungseinheit im karolingischen Reich. Unter den Franken wurde die Dreifelderwirtschaft und ein Steuerwesen eingeführt, welches über 1000 Jahre angewandt und Gültigkeit hatte.

Erstmals erwähnt wurde Stettfurt im Jahre 827. Der reiche Alemanne Immo schenkte einen Teil seiner Güter samt Hörigen (Sklaven) dem Kloster St. Gallen. Auf ihn geht auch der Name Immenberg zurück.

Die politischen Strukturen im Laufe der Zeit

Nach der 1. Jahrtausendwende zerfiel das Reich der Karolinger und Ottonen. Der Landadel bemächtigte sich des Nachlasses in streiterischen Auseinandersetzungen. Es entstanden Burgen und Schlösser. Das Gebiet des heutigen Thurgaus wurde in rund 160 Herrschaften aufgeteilt. Ihre Grenzen waren fast identisch mit denen der früheren Ortsgemeinden. Die Herrschaft bestimmte ziemlich willkürlich über das Wohlergehen der Bevölkerung. Das Gemeindewesen im heutigen Sinne gab es noch nicht. Herrscher werden konnte man durch Erwerb, Vererbung oder Heirat. So wechselte die Herrschaft Sonnenberg ihren Besitzer acht mal; letztmals im Jahre 1678. Die fünf Klöster; Fischingen, Einsiedeln, Muri, Rheinau und Wettingen versuchten mit den Kauf wohl in der mehrheitlich reformierten Gegend einen katholischen Akzent zu setzen. Im Laufe der Jahre zahlte Einsiedeln die übrigen Klöster aus und war nun alleiniger Besitzer des Schlosses, zu dem ein Umschwung von ca. 150 Hektaren oder fast ¼ des Gemeindegebietes gehört. Das Kloser Einsiedeln verkaufte diesen Besitz im Sommer 2007 an den österreichischen Staatsbürger Christian Baha.

Der Thurgau lag im politischen Machtvakuum der Eidgenossen im Westen, der deutschen Könige im Norden und der Habsburger im Osten sowie im Spannungsfeld der Klöster Reichenau und St. Gallen. Der Wind blies immer wieder von einer anderen Richtung. Die „Sonnenberger“ hatten eine selten unglückliche Hand bei der Wahl ihrer Verbündeten. Bei der Schlacht von Näfels fiel einer auf der Seite der Habsburger gegen die Eidgenossen. Beim alten Zürichkrieg schlugen sie sich auf die Seite der Zürcher und bei der Auseinandersetzung zwischen den Appenzellern und dem Kloster St. Gallen auf die Seite des Klosters. Beides hatte die nachträgliche Brandschatzung des Schlosses zur Folge. Beim Schwabenkrieg sympathisierten die damaligen Knöringer, ein süddeutsches Geschlecht, mit den Schwaben, was die Plünderung des Schlosses nach sich zog.

Mit der Besitznahme des Thurgaus durch die Eidgenossen kehrte wenigstens politisch gesehen Ruhe ein. Bis zum Jahre 1798 war man allerdings nur Untertanengebiet der Eidgenossenschaft. Der Einmarsch der Franzosen gab dem alten System den Rest. Fortan genossen alle Bürger die selben Rechte und Pflichten.

Leben und arbeiten auf dem Lande

Die Leute auf dem Land gingen ausschliesslich der Landwirtschaft nach. Das Handwerk hatte wenig Bedeutung. Die Industrialisierung fand entlang den Eisenbahnlinien des Murg- und Thurtales statt. Die heutige Hefefabrik ging aus einer Schnapsbrennerei hervor, welche eine Hand voll Landwirte baute und in Betrieb nahm.

Während Jahrhunderten war die Landschaft geprägt von der Sumpflandschaft im Talgrund, dem Ackerbau an den Talflanken und dem Rebbau an den steileren Lagen. Letzterer brachte einen gewissen Wohlstand, was noch heute an den schönen Riegelhäuser entlang dem Dorfbach abgelesen werden kann. Klöster (Fischingen, Magdenau) und begüterte Grossgrundbesitzer weiter südlich besassen Rebparzellen in Stettfurt, welche von den hiesigen Bauern bebaut wurden. Die Reblaus zu Beginn des 20. Jh. machte den ganzen Bestand, welcher durchgehend von Matzingen bis nach Weingarten reichte, zunichte. Es wurde nur noch wenig neu bestockt.

Eine weitere Veränderung der Landschaft trat ab der Mitte des 19. Jh. ein. Der Ackerbau wich der Milchwirtschaft. Die Güterzusammenlegung in der 60iger Jahren des 20. Jh. machte die Flur „maschinentauglich“. Dies war auch das Ende des grossflächig angelegten, einstmaligen Obstbaumanlagen, welche das Bild des Thurgaus während rund hundert Jahren prägten.

Wohnen auf dem Land

Waren die Bewohner ursprünglich ausschliesslich Landwirte mit entsprechender Behausung, so änderte sich das Bild im Laufe der Zeit radikal. Gerade noch 12 Landwirtschaftbetriebe treiben das Kulturland um. Nicht nur, dass Bauernhäuser für reine Wohnzwecke genutzt werden, im Süden, Norden und Westen entstanden eigentliche Wohnquartiere. Die Bevölkerung hat sich in 50 Jahren verdoppelt. Stettfurt wurde als attraktive Wohngemeinde entdeckt. Ab hier lässt es sich leicht in die Agglomerationen von Zürich, Winterthur und St. Gallen pendeln.

Die Kirchen

Von altersher gehörte Stettfurt zur Pfarrei Wängi. Daran änderte auch die Reformation nichts. Die Kirche wurde paritätisch genutzt. Die Kirchenstuhlordnung wurde nach einigen Querelen auch im Jahre 1718 nicht den veränderten Verhältnissen angepasst, d.h. den reformierten Stettfurtern fehlte es an Plätzen. Dies liess man sich nicht gefallen und erwog den Bau einer eigenen Kirche. Nach langen Verhandlungen mit den Zürchern, welche im Namen der acht alten Orte den Thurgau betreuten, durfte im Jahre 1746 die eigene Kirche erstellt werden. Es dauerte dann noch einmal sechs Jahre, bis auch eine Pfarrstelle eingerichtet werden durfte.

Die Katholiken gehören nach wie vor zur Pfarrei Wängi. Kirchlich werden sie von der Schwesterkirche in Matzingen betreut.

Die Schule

Erstmals wird ein Schulbetrieb in Stettfurt im Jahre 1634 erwähnt. Üblicherweise oblag dies dem örtlichen Pfarrer. Weil Stettfurt damals noch keine eigene Pfarrei besass, übernahmen Dorfbewohner das Amt. Die Aufsichtsbehörde in Aadorf bemängelte denn öfters den Charakter und das Können der Schüler in Stettfurt. Der erste Pfarrer übernahm dann 1752 den Unterricht.

1803 wurde der Thurgau eigenständiger Kanton. Er führte sofort das Schulwesen in der heutigen Form ein. 1809 konnte das Schulhaus eingeweiht werden. Es ist das älteste im Kanton, welches nach wie vor seinen Dienst versieht.